Reisebericht // JUNGE LANDFRAUEN // MÜNSTERLAND

Unterwegs im Münsterland:
Lupinen, Algen, Kühe & Popcorn

Unterwegs im Münsterland:
Lupinen, Algen, Kühe & Popcorn

Was haben ein Melkroboter, Spirulina, Lupinen-Currywurst und Popcorn gemeinsam? Sie alle waren Teil unseres Wochenendes mit den Jungen LandFrauen Rheinland-Süd im Münsterland.

Hi! Ich bin Evi, 24 Jahre alt und bei Reiseservice VOGT unter anderem für das Münsterland zuständig. Die Reise der Jungen LandFrauen durfte ich deshalb nicht nur planen, sondern auch selbst begleiten. Drei Tage, vier sehr unterschiedliche Betriebe und ziemlich viele Ideen, über die auch nach der Betriebsführung noch diskutiert wurde.

JUNGE LANDFRAUEN RHEINLAND-SÜD AUF ENTDECKUNGSTOUR IM MÜNSTERLAND

Statt uns einfach nur Ställe und Maschinen anzuschauen, ging es vor allem um eine Frage: Wie stellen landwirtschaftliche Familien ihre Betriebe heute für die Zukunft auf?

140 Milchkühe und ziemlich gutes Eis

Unsere erste Antwort darauf bekamen wir auf einem Milchviehbetrieb, den die Betriebsleiterin eigenständig mit Unterstützung ihrer Eltern führt. Rund 140 Milchkühe, Futterbau auf den eigenen Flächen, moderne Melktechnik und neue Stallanlagen gehören zum Betrieb. Interessant fand ich besonders, wie konkret hier auf heißere Sommer reagiert wird. Zusätzliche Ventilatoren und Anpassungen im Stall sollen den Hitzestress für die Kühe reduzieren. Besonders lecker ist das zweite Standbein des Hofes: Speiseeis aus der eigenen Milch. Bis zu zwölf Sorten werden hier hergestellt. Dass wir die natürlich probieren mussten, versteht sich von selbst – und die Qualitätskontrolle der Jungen LandFrauen fiel eindeutig positiv aus.

Schweine, Spirulina und Unternehmergeist

Beim nächsten Betrieb wurde es deutlich ungewöhnlicher. Neben Schweinezucht und Ackerbau steht hier ein großes Gewächshaus. Darin wachsen allerdings weder Tomaten noch Gurken, sondern Mikroalgen. Auf rund 2.500 Quadratmetern wird unter anderem Spirulina kultiviert. Das Spannende war für mich weniger die Tatsache, dass hier Algen produziert werden, sondern wie viel unternehmerische Arbeit hinter so einem neuen Betriebszweig steckt. Ein Gewächshaus bauen und Spirulina produzieren ist das eine. Einen Markt dafür aufzubauen, Produkte zu entwickeln und Kunden zu gewinnen, das andere. Mittlerweile arbeitet der Betrieb deshalb mit anderen Erzeugern zusammen. Es ist ein Netzwerk entstanden, in dem Wissen geteilt und an gemeinsamen Produkten gearbeitet wird. Gleichzeitig wurde sehr offen darüber gesprochen, dass neue Ideen eben nicht automatisch zu Selbstläufern werden. Diversifizierung klingt auf dem Papier schnell gut. In der Praxis braucht sie vor allem Mut, Kapital, Vermarktung und einen ziemlich langen Atem.

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DREI TAGE VOLLER LANDWIRTSCHAFT & NEUER IDEEN

Auf zwei Rädern zum Lupinenhof

Am Samstag hieß es: rauf aufs Rad! Gemeinsam mit unserem Radguide erkundeten wir das Münsterland auf einer rund 50 Kilometer langen E-Bike-Tour. Vorbei an Feldern, kleinen Dörfern, Wasserburgen und der typischen Parklandschaft ging es zu einem Betrieb, der neben Schweinehaltung und Ackerbau auf eine heimische Eiweißquelle setzt: die Süßlupine.

 

Aus den selbst angebauten Lupinen entstehen gemeinsam mit regionalen Partnern unter anderem Mehl, Bratlinge, Brotbackmischungen und Aufstriche. Die Betriebsleiterin erzählte uns, wie aus der ersten Idee verschiedene Produkte entstanden sind und welche Rolle Kooperationen und Vermarktungswege dabei spielen. Beim anschließenden Mittagsimbiss konnten wir einige der Lupinenprodukte gleich selbst probieren – nach den ersten Radkilometern genau die richtige Stärkung.

 

Zurück in Münster passte der Besuch des NRW-Tags (zum 80. Geburtstag Nordrhein-Westfalens) perfekt zu unserer Gruppe. Dort trafen wir am LandFrauenstand auf die westfälisch-lippischen LandFrauen.

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Vom eigenen Acker in die Popcorntüte

Sonntagmorgen, nächster Hof, nächstes Konzept. Unser letzter Betriebsbesuch führte uns auf einen Familienbetrieb mit rund 200 Hektar Ackerfläche und etwa 3.000 Mastschweinen. Spannend war hier unter anderem die Weiterentwicklung der Tierhaltung: Die Ställe wurden von Haltungsstufe 2 auf Haltungsstufe 3 umgebaut, um die Bedingungen für die Tiere weiter zu verbessern. Und auch dieser Hof hat sich ein ungewöhnliches zweites Standbein aufgebaut:

 

Popcorn aus eigenem Mais. Die Idee entstand innerhalb der Familie und wurde Schritt für Schritt zum eigenen Projekt. Der Popcornmais wird regional angebaut und anschließend mit Handarbeit verarbeitet und vermarktet – unter anderem über den eigenen Onlineshop. So wird aus dem Rohstoff vom Acker ein fertiges Produkt mit eigener Geschichte und direktem Weg zum Kunden. Wie das Ganze entstanden ist und wie viel Arbeit zwischen Maisanbau und fertiger Popcorntüte steckt, erzählte uns die Familie bei Kaffee und frisch zubereitetem Popcorn. 

 

Spannend wurde es anschließend noch einmal beim Austausch unter LandFrauen. Wir sprachen darüber, welche Erfahrungen vor Ort mit den Jungen LandFrauen gemacht werden und vor allem darüber, wie man junge Frauen heute für die LandFrauenarbeit begeistert. Welche Veranstaltungen funktionieren? Welche neuen Formate braucht es? Und welche Ideen schaffen es tatsächlich vom Gedanken in die Umsetzung?

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UNTERWEGS MIT FRAUEN, DIE LANDWIRTSCHAFT BEWEGEN.

Was ich aus dem Münsterland mitnehme

Nach drei Tagen ist mir vor allem eines hängen geblieben: Keiner dieser Betriebe ruht sich auf dem aus, was schon immer funktioniert hat. Da wird Milch zu Eis. Ein Schweinebetrieb steigt in die Algenproduktion ein. Eine heimische Hülsenfrucht wird zur Currywurst. Aus dem eigenen Mais entsteht Popcorn. Gleichzeitig wird in neue Stalltechnik investiert, an Tierwohl gearbeitet, mit regenerativer Landwirtschaft experimentiert und über neue Absatzwege nachgedacht. Nicht jede Idee funktioniert sofort. Nicht jeder neue Betriebszweig ist automatisch wirtschaftlich. Und genau deshalb fand ich die offenen, ehrlichen Gespräche so interessant.

 

Für mich war die Reise außerdem die beste Gelegenheit, mein neues Reisegebiet bei Reiseservice VOGT kennenzulernen. Denn wenn ich künftig Reisen ins Münsterland plane, möchte ich nicht nur wissen, wo der Bus hinfahren kann. Ich möchte wissen, hinter welchen Hoftoren Geschichten stecken, die es wert sind, erzählt zu werden.

 

Und zum Schluss natürlich ein besonderes Danke an die Jungen LandFrauen Rheinland-Süd: Dafür, dass ihr mich vom ersten Moment an so herzlich in eure Gruppe aufgenommen habt und ich dieses Wochenende mit euch erleben durfte. Es hat richtig Spaß gemacht, mit euch unterwegs zu sein!

WENN IHNEN DER BEITRAG GEFALLEN HAT, DRÜCKEN SIE AUF'S HERZ!